Räumen Loslassen

Chaos im Keller, Chaos im Schuppen und ein Depot mit vergessenem Inhalt

 

 

Die Kunst des Verdrängens, hartnäckiger Widerstand gegen alte Gewohnheiten

Unser Freund, ein liebenswerter, grosszügiger Zeitgenosse, ist ein Prototyp von dieser Gattung. Nach jedem Flohmarktbummel, Schmökern in Antiquitätengeschäften und  Brockenhäusern wird es eng – noch enger – in der Wohnung. Alte Bildbände vom Vatikan und vom Dom in Siena, daneben eine Erstausgabe von Weinschlössern in der Provence liegen verstreut am Boden bis Bücher für den Stapel „Keller“ aussortiert sind und es Platz im Büchergestell gibt.

 

 

Profi für kreative Sofortmassnahmen

Nach der Rückkehr von einem dreitägigen Familienbesuch erwartete meine Freundin – seine Frau – eine aufgeräumte Wohnung und einen strahlenden Gatten. „Mehr Licht und Sauerstoff“ war ihr Kommentar, begleitet mit einem sanften Lächeln. Aber wo sind denn jetzt die ausgeräumten Objekte? Er habe halt so eine Lösung gefunden, das möge doch als Antwort genügen. Ob da nicht eine gewisse Gereiztheit mitschwang?

Vielleicht gibt es noch weitere Freunde und Bekannte, die beim Räumen mithelfen können, hakte sie nach. Er werde es sich überlegen. Das war alles an Rückmeldung. Die Antwort liess auf sich warten und das Wohnzimmer begann sich wieder zu füllen.

 

Vergessen geglaubtes meldet sich wieder

Nach einem Samstagsbrunch berichtete meine Freundin ihrem Partner, dass heute von ihrem Smartphone eine Erinnerung eingegangen sei.

„Vier Wochen Frist, um das Wohnzimmer und den Keller aufzuräumen. Das Wohnzimmer sei ein Lagerraum und im Keller gebe es keinen freien Platz für ihren Bedarf“. Was, wenn die Frist nicht genutzt wird? Dann werde sie – bei aller Liebe zu ihm – in ein Airbnb umziehen und dortbleiben, bis die Auflagen erfüllt sind.

 

Verbündete finden

Wie wäre ein Brainstorming mit Freunden und Bekannten? So kam es. Eine Mulde für Entschiedene mit Räumungsbereitschaft, und ganz viel wäre definitiv weg.

Sie waren sofort einverstanden. Eine Woche später war es soweit.

Gut, nicht alleine zu sein. Die Aktion wurde unterschätzt. Das miteinander Teilen erwies sich als wertvolle Erfahrung. Zusehen, wie zum Teil über lange Zeit Gehortetes in einer Mulde landet, und spätestens beim Abtransport realisieren, dass es kein Zurückholen gibt, lässt sich gemeinsam leichter ertragen.

Man kann sich vorstellen, dass damit das Thema für den „Sammler und Jäger“ noch nicht abgeschlossen ist.

 

 

«Wir müssen das Feuer hüten und nicht die Asche bewahren»

Weisheit aus dem alten Tibet