Kuba – Besondere Auszeit

Überraschungen – etwas planen, dann kommt es anders

 

Vor der Abreise

Im Vorfeld der Reise nach Kuba fragte eine Bekannte, ob es wohl möglich wäre, zwei Pakete Fondue mitzunehmen. Ihre Schwester wohne seit über 20 Jahren in Havanna und bei einer Einladung könnte sie ihren Gästen mit einem Fondue grosse Freude bereiten. Die Pakete könnten jederzeit im Hotel Nacional übergeben werden. Ihre Schwester sei im Vorstand des Filmfestivals und jetzt dort am ehesten anzutreffen.

Filmfestival?? Jetzt??? Es begann im Kopf zu kreisen

 

 

Erste Woche – Planänderung

Ich plante gleich nach Ankunft in eine stille Gegend weiterzureisen, um dort erst einmal zur Ruhe zu finden.

Mit dem nicht eingeplanten Fondue-Programm ging ich vor der Weiterreise bei schwülheissen Temperaturen der Uferpromenade Malecón entlang zum Hotel Nacional. Im unterkühlten Vortragssaal war gerade ein Podiumsgespräch zwischen zwei erfolgreichen filmemachenden Söhnen von erfolgreichen filmemachenden Vätern im Gange. Thema „Wie gelingt die Ablösung?“.

Während der Pause übergab ich die Fondue Pakete der Schwester von meiner Kollegin. Die Festivalleiterin gesellte sich dazu und erkundigte sich, ob ich Interesse für das Festival hätte.

Nach meinem begeisterten „Ja, sehr!“ geriet alles ausser Kontrolle. Noch während der Pause wurde ein Antrags-Formular für die Mitgliedschaft ausgefüllt, in der Pause danach war Foto-Termin und in der letzten Pause folgte eine feierliche Übergabe des Mitgliederausweises. Das volle Programm, mit Zugang zu allen Aktivitäten und mit einem eigenen Briefkasten im Hotel Nacional für Details und für aktuelle Informationen, was vor und hinter den Kulissen des Festivals so läuft.

 

Zweite Woche – wieder auf Kurs

Ein neuer Versuch  nach Viñales zu gelangen. Bei Verspätungen oder bei Ausbleiben von Bussen bewahren die Kubaner ihre Geduld, sei es mit Abwarten oder in Gespräche vertieft. In dieser wohltuenden Atmosphäre war ich damit beschäftigt, den aufkommenden Ärger wegen des ausbleibenden Busses unter Kontrolle zu halten.

Noch am selben Tag in Viñales angekommen, fand  ich eine Unterkunft bei einer sympathischen, fröhlichen Mehrgenerationen-Familie. Wir hatten gemeinsame Nenner und ansprechende Dialoge. Sie erkundigten sich, ob ich für den kommenden Tag schon Pläne hätte. Eigentlich nicht. Nach der  Überfülle von Informationen, Austausch und Eindrücken am Filmfestival wolle ich einfach nur in der wunderschönen Landschaft den Wind um die Nase wehen lassen.

Da wäre ein Maulesel ideal, meinten meine Gastgeber. Der übernähme Route und Pausen in Eigenregie, fände aber immer wieder in den Stall zurück. Nach der Zusage wurde er gleich vermittelt, und am folgenden Morgen stand er vor der Türe. Wir zogen los. Die Rollenverteilung war geregelt, abweichende Interpretationen und Toleranz wurden grosszügig ausgelegt. Ruhe und Erholung pur.